Nach ein paar Wochen in ihrer Obhut möchte Kays Pflegefrauchen über seine tolle und positive Entwicklung berichten:
-Noch nie haben wir einen Hund aufgenommen, bei dem wir so gar nicht wussten, wohin die Reise gehen wird. Bei Kay war irgendwie alles anders, außer, dass wir wussten, wir müssen helfen – im Refugio hätten sich seine Verhaltensstörungen nur noch weiter verfestigt. Also mal wieder auf das Herz gehört und nicht auf den Verstand. Keine Kapazität? Egal, der eine hat noch Platz. Verhalten anderen Hunden gegenüber völlig unbekannt? Egal, wir haben Zeit und Raum fürs Training. Möglicherweise Futterneid? Egal, wird halt separat gefüttert. Impulskontrolle bei Eichhörnchen/Kaninchen/Vögeln auf dem Grundstück? Egal, wozu gibt es Schleppleinen ... Diese Aufzählung ließe sich noch viel weiter fortsetzen, denn letztlich wussten wir wegen der immer massiver werdenden Verhaltensweisen (Steine transportieren, Lichtreflexe und Schatten jagen) nur wenig über Kays Charakter, da dieser fast gar nicht mehr zum Vorschein kam. Entsprechend waren wir auf das Schlimmste vorbereitet: einen extrem kräftigen, futterneidischen, hundeunkompatiblen Kay, der nur Steine schiebt, hysterisch kläfft, Lichtreflexe jagt und sich zwischendurch mit unseren anderen Hunden prügelt.
Spoiler: So ist es überhaupt nicht.
Kay kam an, wurde vorsichtig an die anderen Hunde herangeführt, erwies sich als superfreundlich und damit war die Vergesellschaftung erledigt – wobei unsere Hunde auch extrem entspannt mit neuen Hunden sind. Alles völlig unspektakulär. Und fortan stiefelte Kay mit den anderen Hunden durch die Gegend oder rannte später pöbelnd mit zum Zaun, wenn er nicht gerade schläft. Und das am liebsten bei einem von uns im Arm. Ohne dabei aber ein Problem mit anderen Hunden zu haben, die auch kuscheln wollen. Überhaupt schlafen und schnarchen – anfänglich hat er die Tage fast komplett verschlafen, inzwischen ist es (bis auf die Lautstärke beim Schnarchen) in einem normalen Rahmen. Nahrungsmittel findet er total spannend, trotzdem schafft er es schon, vor seinem Napf zu warten, bis das Futter freigegeben wird. Seine Verfressenheit erweist sich als sehr hilfreich beim Training und er hat inzwischen eine gute Figur. Als er kam, war Kay durch den Stress in seinem Kopf nämlich deutlich zu dünn. Mit den anderen Hunden ist er viel im Kontakt, zusammen liegend oder unterwegs auf dem Grundstück, er genießt die Hundegesellschaft und hat auch erste Spielanwandlungen. Die Distanzlosigkeit unseres Rottimädels wird auch hingenommen, die Polterigkeit der jüngsten Mastína ebenso – Kay ist stets grundgelassen, auch mit den teilweise etwas prolligen Rüden gab es noch keinen Diskussionsbedarf. Wiewohl wir zugeben müssen, dass wir da noch ein bisschen drauf warten und es gar nicht glauben können, dass es tatsächlich so chillig ist. Auch das An- und Ausziehen des Geschirrs ist kein Problem, im Gegenteil, er freut sich über das Geschirr. Und überhaupt: Autotür auf, Kay springt rein, ab zum Antrittsbesuch bei der Tierärztin, Leine kein Problem, andere Tiere und Menschen bei der TÄ werden freudig bewedelt, die TÄ wird freudig begrüßt, die Untersuchung problemlos und wedelnd ausgehalten, fertig, ab ins Auto und das war es – bitte wie? Für diesen ursprünglich verhaltensoriginellen Hund ist nicht einmal das ein Problem? Aber was ist nun mit seinen Verhaltensstörungen? Schatten sind völlig egal, aber Lichtreflexe sind ein (kleines) Thema. Gut, man muss auf dem Grundstück auch keine Uhr tragen. Etwas überraschend ist, dass sogar Tupperwarendeckel im Haus Lichtreflexe entstehen lassen. Aber daran können wir gut arbeiten, momentan ist aber die Strategie noch Vermeidung der Lichtreflexe. Wenn Kay meint, etwas entdeckt zu haben, wird dafür gesorgt, dass es nicht mehr vorhanden ist, und entsprechend schnell vergeht der Reiz. Steine beißen/tragen/ankläffen/durch die Gegend schieben oder vor Frust Grasbüschel rausreißen: Letzteres kam gar nicht vor und die -Beschäftigung- mit den Steinen ist in den ersten beiden Wochen vielleicht fünfmal vorgekommen – immer in Situationen, in denen seine Frustrationstoleranz nicht ausreichte und er ein Ventil brauchte. Wir haben die ursächliche Situation sofort beendet, Kay entsprechend aus der Situation herausgenommen und das war es dann auch. Seit drei/vier Wochen ist es gar nicht mehr vorgekommen. Kay hat den Absprung aus seinem inneren Gefängnis gerade noch rechtzeitig geschafft. Insgesamt können wir zu Kay sagen, dass wir selten einen so coolen, freundlichen und entspannten Hund aufgenommen haben. Sein toller Charakter wurde leider völlig von seinen Verhaltensauffälligkeiten und seiner Optik (schwarz, kräftig, Listenhund) überlagert.
Mehr Infos zu Kay finden Sie auf unserer Homepage.
Der Anbieter "Vergessene-Pfoten e.V." besitzt eine Erlaubnis nach §11 Tierschutzgesetz und garantiert die Durchführung und/oder Dokumentation der gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen zur Tiergesundheit vor Abgabe eines Tieres. Diese tierärztlichen Behandlungen werden in den EU-Heimtierausweis oder Impfpass eingetragen, welchen der neue Besitzer bei Übergabe des Tieres ausgehändigt bekommt.
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