Oldrich - NIE ist einfach zu lang
Update Juli 2025 - Stille will gesehen werden.
„Sie ist weg.“ „WER ist weg?!“ „Na, Oberlyn! Sie hat's geschafft!“ Ein Raunen ging durch die Betonflure des Canile wie ein Lauffeuer. Ein aufgeregtes Konzert aus Bellen, Jaulen und Gitterrasseln setzte ein – manche freudig, manche neidisch, manche einfach, weil es alle machten. Und mittendrin saß Oldrich. Still. Ein bisschen verwirrt, ein bisschen stolz, aber auch… ein kleines bisschen traurig. Seine Schwester war seine Mitbewohnerin, Seelentrösterin und Wärmflasche mit vier Pfoten. Jetzt hat sie ein Zuhause. So richtig. Mit Sofa. Mit Leberwurst-Tube. Mit Leuten, die morgens gerne Fell in der Kaffeetasse haben. „Das ist doch super!“, bellte jemand von der Nachbarbox. Oldrich nickte langsam. Und er? Er teilte seine Box nun allein mit Alphonza. Alphonza ist okay. Also… sie frisst ihm nicht das Futter weg und schnarcht nicht ganz so laut wie Oberlyn. Oldrich vermisst. Punkt. Aber er reißt sich zusammen. So ist er nun mal. Ein stiller Held.
Wenn die Tierschützer zu Besuch kommen, legt Oldrich leicht den Kopf schief – nicht zu niedlich, aber doch charmant. Die meisten sehen dann nur: -Hm, schüchtern.- Er war keiner dieser fluffigen Instagram-Hunde mit Pomponschwanz und Schnappschusslächeln. Er ist einfach Oldrich. Wunderschön schwarz-weiß, mit einem leicht hervorstehenden Unterkiefer – was die Tierschützer diplomatisch „leichte Prognathie“ nennen. Also bleibt er erstmal ruhig. Manchmal so ruhig, dass man denkt, er sei aus Stein. Aber sein Herz, das arbeitet auf Hochtouren. Denn Vertrauen kommt bei ihm nicht in der Expresslieferung. Es ist eher ein Paket, das über den Postweg aus dem vorletzten Jahrhundert verschickt wurde – aber es kommt an. Er ist nicht unhöflich, sondern sein Herz sagt: „Bleib lieber ganz ruhig, vielleicht ist das hier gefährlich.“ Denn der Alltag im Canile hat ihn geprägt. Tage. Wochen. Jahre. Immer gleich. Beton, Gitter, Futter, Regen, Hitze, Hoffnung, Enttäuschung. Oldrich ist kein Draufgänger. Er ist ein Beobachter. Er ist einer, der lieber zweimal schaut, bevor er jemandem die Schnauze reicht.
Aber wenn man sich Zeit nimmt, kann man das sanfte Leuchten in seinen Augen sehen. Vertrauen auf Sparflamme, das aber wachsen möchte. Bei ruhiger Ansprache kommt er dann. Ganz langsam. Ein bisschen wie ein scheuer Tanzpartner, der den Rhythmus der Welt erst noch lernen muss. Und dann – lässt er sich streicheln. Zart, zurückhaltend, aber echt.
Oldrich lebt. Er lebt still. Er lebt im Schatten der Lauten und Schrillen. Er lebt zwischen Hoffnung und Resignation. Aber er lebt – und das mit so viel Würde, dass einem das Herz wehtut.
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„Hast Du es auch schon gehört?“ „Sie sind da!“ ruft es aus jeder Box, wenn die Tierschützer vor Ort die Hunde im Canile besuchen kommen. Jeder Hund hofft dann auf den einen kurzen Besuch, eine streichelende Hand und ein liebes Wort. Auch der tolle Rüde Oldrich ist ganz aufgeregt, denn er hatte schon mal einen schönen Besuch und hat seit 2022 eine kleine Vorstellungsseite. Bisher bekam er nie eine Anfrage, die zu einem Happyend führte.
Dann war es so weit und die Tierschützer besuchten Oldrich. Er bemühte sich so sehr, sich ruhig, freundlich und fröhlich zu präsentieren. Doch die lange Zeit der Isolation zeigte ihre Spuren und Oldrich wurde schüchtern. Ruhig und bewegungslos beobachtete Oldrich die Besucher. Aber es schimmerte auch der freundliche Oldrich durch. So ließ er sich nach ruhiger Ansprache die Leine umlegen und sich vorsichtig streicheln. Bei unabsichtlich schnellen Bewegungen der Tierschützer zuckte Oldrich schreckhaft zusammen, aber ohne abwehrendes Verhalten zu zeigen. Der hübsche schwarz-weiße Oldrich braucht Ihre Hilfe, liebe Leserinnen und Leser. So gehört unser vierjähriger Schützling zu den eher „unsichtbaren Hunden“ im Lager. Ein Hund, der nicht durch besondere Merkmale hervorsticht. Oldrich ist einfach da und versucht, den schwierigen Alltag in der Betonbox täglich zu meistern. Ebenfalls ist Oldrich kastriert und mit anderen Hunden verträglich. Wir vermuten, dass er eine leichte Prognathie hat, die ihm aber keinerlei Probleme bereitet.
Aus der Erfahrung wissen wir, dass in einer artgerechten Umgebung, bei freundlicher Ansprache und liebevoller Führung auch schüchterne Hunde wie Oldrich aufblühen können und er Ihnen seine tollen inneren Werte und Charaktereigenschaften „zu Füßen“ legen würde.
Besuchen Sie Oldrich auch auf unserer Homepage
www.pro-canalba.eu https://www.pro-canalba.eu/unsere-hunde/hundebeschreibung/?hund=Oldrich_6383
Weitere Informationen:
Alter: 29.06.2019
Schulterhöhe: 60 cm
Kastriert: ja
Krankheiten: keine bekannt, gechipt, geimpft
Schutzgebühr: 390 € + 125 € Transportkostenbeteiligung
Vermittlung: Bundesweit, A, CH
Aufenthaltsort: Italien
Organisation: pro-canalba e.V.
Ansprechpartner: Margot Wolfinger
eMail: margot.wolfinger@pro-canalba.eu
Telefon: 0179 660 62 00