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Hundebiss und Schmerzensgeld

Vom Hund gebissen
Bildquelle: Pexels
Hunde zählen, neben den Samtpfoten, zu den beliebtesten Haustieren. Auch wenn der Hund als bester Freund des Menschen gilt und häufig als festes Familienmitglied betrachtet wird, vergessen Sie nicht, dass auch im bravsten Tieren ein Raubtier steckt. In Deutschland kommt es jährlich zu zirka 40.000 Hundebissen. Die Ursachen können zum einen rassetypisch sein, zum anderen aber auch auf Haltungsfehler beruhen. Etwa ein Viertel der Opfer von Hundebissen sind Kinder.

Steht mir nach einem Hundebiss Schmerzensgeld zu?

Wird ein Mensch von einem Hund gebissen, hat er Anspruch auf Schmerzensgeld. Der Anspruch wird beim Hundehalter geltend gemacht. In der Regel kommt die Hundehaftpflichtversicherung des Tierhalters für die Summe auf. Die Höhe des Schmerzensgeldes bleibt eine Einzelfallentscheidung und hängt von Art und Ausmaß der Verletzung wie auch von den Umständen des Tathergangs ab.

Sie können bei einem Hundebiss Schmerzensgeld einfordern und sich dabei auf das Bürgerliche Gesetzbuch berufen. Der rechtliche Rahmen ist in § 253 festgeschrieben und wird als „immaterieller Schadenersatz“ betitelt.

Ein zivilrechtlicher Anspruch auf Schmerzensgeld besteht in folgenden Fällen:
  • Verletzungen am Körper
  • Beeinträchtigung der Gesundheit
  • Schädigung der Freiheit
  • Behinderung sexueller Selbstbestimmung

Wenn einer dieser Punkte erfüllt ist, besteht für den Schädiger, in diesem Fall für den Tierhalter, eine Ausgleichspflicht. Während sich ein Sachschaden relativ einfach in konkreten Summen angeben lässt, ist dies bei Personenschaden nur schwer möglich.

Jeder Fall wird daher einzeln betrachtet. Einen angemessenen Betrag als finanziellen Ausgleich festzulegen, obliegt der Gerichtsverantwortung. Es werden dabei nicht nur die offensichtlichen körperlichen Verwundungen und Beeinträchtigungen betrachtet. Auch psychische Störungen fallen ins Gewicht.

Die Richter berücksichtigen bei der Entscheidungsfindung folgende Aspekte:
  • Art und Ausprägung der Verletzung
  • mögliche Folgeschäden, wie körperliche Entstellungen
  • Schweregrad der körperlichen Schmerzen
  • Dauer der Arbeitsunfähigkeit
  • Notwendigkeit und Dauer eines stationären Aufenthaltes
  • Einschränkungen im Alltag
  • Mitschuld des Geschädigten
  • Fahrlässigkeit des Tierhalters
  • Vermögenslage beider Parteien

Wie viel Schmerzensgeld steht mir zu?

Um die Höhe des Schmerzensgeldes festzulegen, werden sogenannte Knochentaxen herangezogen.

Hinweis: Knochentaxen, oder Schmerzensgeldtabellen, enthalten Urteile aus der Vergangenheit und listen dem Geschädigten zugesprochene Entschädigungen auf.


Knochentaxen sind häufig nach der Art der Verletzung und dem verletzten Körperteil geordnet. Derartige Tabellen existieren nicht nur für die hier besprochenen Hundebisse, sondern auch für Prellungen, Mobbing oder Rippenbrüche.

Die Knochentaxen werden von Anwälten und Geschädigten eingesehen, um eine grobe Orientierung zu erlangen. Auch die Richter arbeiten bei den Verhandlungen mit diesem Hilfsmittel.

Folgende drei Tabellen werden am häufigsten gebraucht:
  • Beck´sche Schmerzensgeldtabelle
  • Schmerzensgeldtabelle Hacks Ring Böhm
  • Celler Schmerzensgeldtabelle

Die Beck´sche Tabelle können Sie online kostenfrei aufrufen und einsehen. Enthalten ist auch die Kategorie „Schmerzensgeld nach einem Hundebiss“. Sie können dort verschiedene gerichtliche Entscheidungen nachverfolgen, bei denen Opfer von Tierattacken Recht bekamen.

Wurden Sie von einem Hund gebissen, können Sie in der Praxis nach vergleichbaren Fällen schauen und ungefähr abschätzen, welche Summe in Ihrem konkreten Fall in etwa realistisch erscheint.

Die Werte sind allerdings in keiner Weise bindend und sollten nur als Informationsquelle behandelt werden. Auch wenn die Verletzung vielleicht ähnlich ist, können die Richter völlig andere Entscheidungen treffen. Es besteht folglich keinerlei Anspruch auf genannte Summen.

Zur Veranschaulichung können Sie nun einen Einblick in eine derartige Schmerzensgeldtabelle werfen:

Verletzung nach HundebissSumme und Urteil
Schwere Genitalverletzung51.100 € (OLG Saarbrücken, 1988)
Gesichtsverletzung16.400 € (LG Augsburg, 1988)
Hand mit Verlust eines Fingergliedes5.100 € (LG Nürnberg)
Bein mit Verletzung am Ober- und Unterschenkel4.100 € (AG Bad Liebenwerda, 1999)
Biss in die Wade1.400 € (LG Ellwangen, 1998)

Welche Ansprüche kann ich nach einem Hundebiss noch geltend machen?

Neben dem besagten Schmerzensgeld können Hundebisse weitere Ansprüche nach sich ziehen.

Angenommen, Sie wurden von einem Hund gebissen und dadurch krankgeschrieben. Dauert die Arbeitsunfähigkeit sechs Wochen und länger, tritt ein Entgeltschaden ein. Dieser wird aus der Differenz des tatsächlichen Verdienstes und des Krankengeldes, was Sie von der Versicherung bekommen, errechnet.

Personen, die nicht berufstätig sind, haben Anspruch auf einen Haushaltsführungsschaden. Dieser Fall würde zutreffen, wenn Sie nicht arbeiten, aber aufgrund der Folgen des Hundebisses dabei beeinträchtigt sind, Ihren Haushalt zu führen. Da Betroffene in der Regel Hilfe und Unterstützung von Freunden oder Verwandten erhalten, geht man hier häufig von einem fiktiven Haushaltsführungsschaden aus. Dabei wird angenommen, dass der Helfende vom Geschädigten eine tarifliche Bezahlung erhält.

Ist der Geschädigte nicht mehr in der Lage, Sorge für sich selbst zu tragen, erwächst aus den Folgen des Hundebisses ein Pflegeschaden. Dieser kann den Kosten für das Pflegepersonal entsprechen oder ebenfalls fiktiv ermittelt werden.

Weiterhin können Geschädigte Schadenersatz einfordern. Dieser kann sich auf sämtliche durch den Hundebiss eintretende Folgen beziehen.

Einige Beispiele:
  • zerrissene Kleidung
  • kaputte Uhr
  • Fahrtkosten zu Ärzten
  • Fahrtkosten von Besuchern bei Krankenhausaufenthalt
  • Kosten für die Heilbehandlung des eigenen Hundes, sofern dieser involviert war

Haften Tierhüter für einen Hundebiss?

Befindet sich der Hund zum Zeitpunkt des Übergriffes in der Obhut einer anderen Person, wird die Gefährdungshaftung für den Halter ebenfalls wirksam. So hat der Zivilsenat des Oberlandesgerichtes Celle im Jahre 2012 entschieden.

Hinweis: Der behandelnde Tierarzt kann nicht zur Zahlung von Schmerzensgeld nach einem Hundebiss verpflichtet werden, da dieser im Auftrag des Halters und im Sinne des Behandlungsvertrages handelt.


Anders ist die Sachlage, wenn Personen, die sich um den Vierbeiner kümmern, einen Vertrag mit dem Tierhalter abgeschlossen haben. Die Tierhüterhaftung ist in § 834 BGB geregelt. Demnach haften vertraglich bestimmte Aufsichtspersonen bei einem möglichen Hundebiss gegenüber Dritten.

Bei folgenden Ausnahmen erfolgt keine Haftungspflicht:
  • Der Tierhüter hat im Zusammenhang mit dem Hundebiss seine Sorgfaltspflicht nicht verletzt.
  • Die Haftung entfällt auch, wenn die Aufsichtsperson auch durch sorgfältiges Handeln den Hundebiss nicht hätte verhindern können.

Die Versicherungen werden diese Ausnahmereglungen genau unter die Lupe nehmen. Liegt ein derartiger Umstand vor, sollten Sie vorab genau prüfen, ob ein derartiger Haftungsausschluss zutreffend ist.

Bei der Frage der Haftung spielt auch der Vorwurf einer möglichen fahrlässigen Körperverletzung eine Rolle.

Folgende Aspekte besitzen dabei strafrechtlichen Belang:
  • Rasse des Hundes
  • Alter des Hundes
  • mögliche Aggressionsbereitschaft in der Vergangenheit
  • Verhalten des Tieres bei Kontakt mit Fremden

Wie lassen sich die Ansprüche auf Schmerzensgeld nach einem Hundebiss durchsetzen?

Sie können bei der Durchsetzung möglicher Ansprüche zwei Wege wählen. Es ist möglich, direkt beim Tierhalter oder bei dessen Versicherung Schmerzensgeld einzufordern. Lässt sich auf diesem Wege keine vernünftige Einigung erzielen, sollten Sie einen Anwalt einschalten.

Reichen Sie, gemeinsam mit Ihrem Anwalt, Klage ein, gilt es vor Gericht zu beweisen, dass es sich bei den Verletzungen nachweislich um einen Hundebiss handelt. Dies lässt sich durch Arztgutachten beweisen oder auch durch die Aussage von Zeugen untermauern. Zu klären gilt es auch eine mögliche Mitschuld des Opfers. Wurde der Hund vor seinem Übergriff provoziert, wird das Schmerzensgeld weit geringer ausfallen.

Was ist bei einem Hundebiss zu tun?

Wurden Sie von einem Hund gebissen, kann Ihnen folgend Checkliste eine Hilfe sein:
  • Bewahren Sie Ruhe.
  • Versorgen Sie die Wunde.
  • Kontaktieren Sie die Polizei.
  • Lassen Sie die Wunde von einem Arzt untersuchen.
  • Kümmern sie sich um Schmerzensgeld.

Die Wunde ist zu desinfizieren, auch wenn sich Hundebisse weniger häufig infizieren als ein Katzenbiss. Die Polizei einzuschalten, mag für den Moment nicht für notwendig erachtet werden, kann sich aber als hilfreich erweisen, wenn es in Folge darum geht, die genannten Ansprüche auf Schmerzensgeld geltend zu machen.