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5 Tipps für den Umgang mit Angsthunden

Viele Hunde aus der Tiervermittlung leiden unter Ängsten. Die Gründe für das ängstliche Verhalten sind vielfältig. Einige Tiere haben ihre Mutter viel zu früh verloren und in der entscheidenden Prägephase wichtige Erfahrungen nicht gemacht. Sie sind später mit diversen Reizen des Alltags überfordert. Aber auch Misshandlung oder ein einziger heftiger Schreckmoment können Angstzustände hervorrufen. Dieser Ratgeber enthält Tipps, die Besitzern den Umgang mit verängstigten Hunden erleichtern können.

1. Geduld und Verständnis aufbringen

Hund_1 Wer sich für einen Angsthund aus dem Tierheim entscheidet, muss viel Geduld und Verständnis für das Verhalten der Tiere aufbringen. In vielen Fällen ist nicht bekannt, was dem Hund passiert ist. Das macht das Training umso schwieriger. Diejenigen, die es trotz alltäglicher Herausforderungen schaffen, sich verständnisvoll in die Tiere hineinzuversetzen und geduldig zu bleiben, steigern die Chancen auf Erfolg deutlich.
Ein entscheidender Punkt beim Zusammenleben mit ängstlichen Hunden ist der Aufbau von Vertrauen. Das ist zwar generell Grundlage jeder Mensch-Hund-Beziehung, bei Angsthunden ist das Vertrauen des Hundes zu seiner Bezugsperson jedoch noch elementarer. Bei ängstlichen Tieren kann es deutlich länger dauern, bis sie Vertrauen schöpfen. Ihre negativen Erfahrungen haben ihnen womöglich gelehrt, dass Vorsicht die bessere Wahl ist und benötigen mehr Zeit. Dieses Tempo müssen Hundehalter respektieren. Drängen ist kontraproduktiv. Bei einem Angsthund kann es Wochen und Monate dauern, bis die ersten Fortschritte erkennbar werden. Erfolgsmomente wie beispielsweise das Fressen aus der Hand oder das angstfreie Laufen durch die Wohnung setzen geduldiges Verständnis und kontinuierliches Training voraus.

2. Hilfe durch Beruhigung

Ist die Angst besonders groß, kann sie das Trainieren unmöglich machen oder zumindest stark erschweren. Gerade in der ersten Zeit in einem neuen Zuhause können stark von Angst geplagte Hunde derart überfordert sein, dass ihr Körper eine Überwindung verhindert. Der Pegel an Stresshormonen im Körper nimmt dann überhand. Typische Anzeichen für Angstzustände sind:

  • Zittern
  • Gähnen
  • Hecheln
  • Starkes Fell-Lecken
  • Verstecken
  • Nase lecken
  • Defensive Aggression
  • Jaulen
  • Erbrechen
  • Eingezogene Rute
  • Vermiedener Blickkontakt
  • Angelegte Ohren
  • Geduckte Körperhaltung
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Durchfall


Hund_2 Um die Hunde beim Beruhigen zu unterstützen, lassen sich CBD-Öl und Bachblüten verabreichen. CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol, eine Substanz aus der weiblichen Hanfpflanze. Dieser Wirkstoff ist nicht psychoaktiv, wie es bei THC der Fall ist. Stattdessen wird dem natürlichen Inhaltsstoff eine angstlösende, entzündungshemmende und entkrampfende Wirkung zugeschrieben. CBD agiert mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System, das sowohl Menschen als auch Hunde aufweisen und ein wichtiger Teil des Nervensystems darstellt. Es nimmt auf zahlreiche Körperfunktionen Einfluss. Allerdings sollten Hundebesitzer beim Kauf von CBD-Ölen kritisch sein, da nicht alle Produkte qualitativ überzeugen. Die Redaktion des Portals Tierheimlinks, das eine nach Postleitzahl sortierbare Linksliste mit Tierheimen und Tierschutzvereinen bietet, klärt in einem Fachartikel darüber auf, wo es hochwertiges CBD Öl für Hunde zu kaufen gibt. Empfohlen wird dabei unter anderem ein Produkt von Hempamed aus Bio Hanföl. Zudem informiert die Redaktion im Beitrag über die Dosierung und gibt Tipps zum verantwortungsvollen Umgang mit den Ölen.

Die Therapie mit Bachblüten ist ein alternativmedizinisches Verfahren. Auch hier kommen pflanzliche Essenzen zum Einsatz, die wie CBD-Öl direkt ins Maul gegeben oder mit etwas Futter verabreicht werden. „Bachblüten sind bei stressbedingten Befindlichkeitsstörungen, psychischer und psychosomatischer Natur, eine gute Ergänzungstherapie“, erklärt Tierärztin Dr. Anette Tillner auf der Internetpräsenz Ihrer Tierarztpraxis in einem Beitrag über Bachblüten für Tiere.
Wichtig: Vor dem Verabreichen von CBD-Öl oder Bachblüten sollte jeder Hund von einem Tierarzt untersucht werden. Der Experte kann den körperlichen Zustand der Tiere prüfen und Empfehlungen für die korrekte Dosierung geben.

3. Bewegung für den Stressabbau

Wie bei Menschen wirkt auch bei Hunden körperliche Bewegung stressmindernd. Typisches Hundeverhalten wie rennen und schnüffeln sind Grundbedürfnisse der Tiere, die beim Abbau von Stresshormonen helfen und die Zufriedenheit steigern. Je nach Bewegungsdrang sollten die Spaziergänge angepasst werden. Insbesondere zu Beginn der Mensch-Hund-Beziehung sind ruhige Orte zu bevorzugen. Hat der Hund sowieso schon große Angst vor unbekannten Dingen, sorgt eine Gassi-Runde durch die belebte Stadt für zusätzlich Stress. Zeit im Wald oder auf großzügigen Wiesen kann hingegen beruhigen.

4. Ruhepausen sind ein Muss

Das Schlafbedürfnis von Hunden wird von vielen Menschen unterschätzt. „Ein erwachsener Mensch benötigt in etwa acht Stunden Schlaf am Tag, ein Hund hingegen 15-20 Stunden“, heißt es im Experteninterview zum Schlafbedürfnis von Hunden auf der offiziellen Internetseite von Martin Rütter Dogs, einer Trainingsphilosophie zur Ausbildung von Mensch und Hund. Weil sich Schlafmangel auf Hunde gleichermaßen negativ auswirkt wie bei Menschen, nämlich mit Nervosität, Gereiztheit und der Entwicklung von Krankheiten, ist das Respektieren des Ruhebedürfnisses ein Muss. Der Hund sollte einen ruhigen Platz haben, der ihm als Rückzugsort dient und wo ihn niemand stört. Auch die Kinder nicht. Im Experteninterview von Rütter werden ergänzend ein bequemes Hundebett und feste Ruhe- und Schlafzeiten empfohlen.

5. Positiv verstärken, statt schimpfen

Ängstliche Hunde reagieren überaus sensibel auf Laute und Körpersprache – deutlich sensibler als gut sozialisierte und selbstbewusste Tiere. Das leichte Erhöhen der Stimme und ein ernster Blick können die Hunde bereits ängstigen. Obwohl die positive Verstärkung in der Hundeerziehung grundsätzlich ratsam ist, gewinnt sie bei Angsthunden zusätzlich an Bedeutung.

Im Video zu einer Sendung des MDR zeigt Tierverhaltenstherapeut Ronald Lindner, was Besitzer von ängstlichen Hunden außerdem tun können:



Bilder Quellenangabe: cocoparisienne (Bild 1), LauraTara (Bild 2) / https://pixabay.com