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Zecken im Herbst: Warum Sie jetzt bloß nicht nachlassen dürfen

Titelbild
Die Blätter färben sich bunt und morgens liegt feuchter Tau auf den Wiesen. Schönes Wetter. Viele Halter schnaufen nach der brütenden Sommerhitze erst einmal erleichtert auf, denn die ausgedehnten Runden durch Wald und Feld machen endlich wieder Freude. Doch mit der Abkühlung schleicht sich eben ein Irrglaube in viele Köpfe. Die Parasitensaison sei nun gelaufen. Die Vorräte an Präparaten verbrauchen sich langsam und für frischen Nachschub aus Praxis oder Apotheke fehlt oft die Motivation. Es wird schließlich kalt.

Jedes Jahr das gleiche Debakel. Der September sowie der Oktober bringen verlässlich eine zweite Welle der Blutsauger mit sich, nachdem es im Hochsommer vielerorts ruhiger geworden war. Trockene Sommermonate bremsen die Biester nämlich aus. Sie ziehen sich ins Verborgene zurück und warten ab. Sobald die Feuchtigkeit zurückkehrt und das Thermometer wieder milde Werte zeigt, krabbeln die Biester munter aus dem feuchten Unterholz hervor.

Sie sparen sich das Schutzmittel im Herbst? Das erweist sich im Grunde als fahrlässiger Fehler mit echten Folgen für die Tiergesundheit. Wer die Prophylaxe jetzt voreilig einstellt, setzt den Vierbeiner unbewusst Gefahren aus.

Das feuchte Schlaraffenland der Parasiten

Die kleinen Biester besitzen eine echte Schwachstelle: Trockenheit. Wenn die Juli-Sonne den Waldboden austrocknet und die Halme dörrt, weichen die Sauger in die feuchte Laubstreu direkt am Boden aus. Dort harren sie geduldig aus und warten auf bessere Zeiten. Erst wenn der Regen die Luftfeuchtigkeit nach oben treibt, klettern sie wieder am Halm empor.

Der Gemeine Holzbock wird bereits ab etwa sieben Grad munter und fühlt sich an milden, feuchten Tagen pudelwohl. Liegt eine feuchte Laubschicht im Forst, hat das Ungeziefer leichtes Spiel. Die Blätter schützen vor Austrocknung und kaltem Wind. Entgegen einer hartnäckigen Behauptung lassen sich die Spinnentiere keineswegs von den Bäumen herabfallen. Sie lauern schlicht im Kniehohen. Streift der Hund durch das Gebüsch, nimmt er die Wartenden im Vorbeigehen mit.

Kälte hält das Krabbelzeug viel schlechter ab als gedacht. Lohnt sich die Vorsorge im Spätherbst noch? Aber hallo. Erst wenn es dauerhaft unter sieben Grad bleibt, stellt der Holzbock seine Aktivität weitgehend ein. Die Auwaldzecke ist noch härter im Nehmen: Sie bleibt selbst knapp über dem Gefrierpunkt aktiv und geht sogar an milden Wintertagen auf die Jagd. Ein einziger sonniger Nachmittag im November reicht aus, damit es auf der Wiese wieder losgeht.

Bösartige Geschenke im bunten Laub

Ein Stich nervt. Viel schlimmer sind jedoch die Erreger, welche die Sauger mit ihrem Speichel in die Haut des Hundes abgeben. Von dort gelangen sie in den Körper. Diese Gefahr nimmt im Oktober keineswegs ab.

Die Borreliose bleibt der bekannteste Übeltäter, eine Infektion durch Bakterien, die erst Wochen oder gar Monate nach dem Spaziergang zuschlägt. Viele infizierte Hunde zeigen zwar überhaupt keine Beschwerden. Erwischt es den Vierbeiner doch, wirkt er müde, leidet an Fieber und hinkt abwechselnd auf verschiedenen Pfoten wegen entzündeter Gelenke. Auch Anaplasmose wird vom Holzbock übertragen. Der Erreger nistet sich in bestimmten weißen Blutkörperchen ein und lässt zugleich die Zahl der Blutplättchen sinken, was neben Mattigkeit eine Neigung zu spontanen Blutungen nach sich zieht.

Immer öfter diagnostizieren Fachleute bei uns die Babesiose (oft als Hundemalaria bezeichnet). Die verbreitete Auwaldzecke überträgt diesen winzigen Einzeller, der schlussendlich die roten Blutkörperchen zerstört. Feuchte Flussauen sowie feuchte Wiesenränder sagen ihr zu. Dunkler Urin wie kalter Kaffee, plötzliches hohes Fieber und blasse, manchmal auch gelbliche Schleimhäute verraten den Notfall rasch.

Wirkt Ihr Hund plötzlich verändert, schlapp oder lässt er den vollen Napf stehen? Ab in die Praxis um die Ecke.

Chemie oder Hausmittel: Was nützt überhaupt?

Das Angebot im Fachhandel erschlägt einen förmlich. Um die passende Auswahl zu treffen, hilft ein Blick auf die Wirkung.

Grob unterscheiden wir zwei Wege bei den Präparaten: Repellentien und systemische Mittel.

  • Repellierende Stoffe als Spot-on oder Halsband verteilen sich über das Hautfett und schrecken ab, bevor die Zecke zusticht (der Parasit bekommt heiße Füße und lässt ab). Viele dieser Mittel töten zusätzlich bei Kontakt ab.

  • Kautabletten verteilen den Wirkstoff über das Blut im ganzen Körper, weshalb das Ungeziefer erst zustechen muss, um einzugehen. Das geschieht meist so rasch, dass die Zecke tot ist, bevor Borrelien üblicherweise übertragen werden. Das bringt den Vorteil, dass beim Kraulen keine Rückstände an Kinderhänden kleben bleiben. Die Tabletten gibt es allerdings nur auf Rezept in der Tierarztpraxis.



Vorsicht, wenn eine Katze mit im Haushalt lebt: Viele Spot-ons und Halsbänder für Hunde enthalten Permethrin. Für Samtpfoten ist dieser Stoff hochgiftig, schon enges Kuscheln kurz nach dem Auftragen kann gefährlich werden. Hier unbedingt ein katzenverträgliches Mittel wählen.

Aus der Naturheilkunde liest man oft von Schwarzkümmelöl, Bernsteinketten oder Knoblauch. Ehrlich gesagt taugen diese Dinge eher wenig für einen verlässlichen Schutz. Knoblauch ist für den Vierbeiner in gewisser Menge sogar giftig. Besprechen Sie die Wahl lieber ohne Umschweife mit Fachleuten. Was individuell hilft, hängt vom Alter, den Lebensgewohnheiten und den Mitbewohnern im Haushalt ab.

Nach der Runde: Absuchen und richtig zugreifen

Garantien gibt es keine. Das gründliche Absuchen des Fells gehört nach jedem Ausflug dazu. Man verbindet das am besten mit einer gemütlichen Streicheleinheit.

Die Sauger suchen dünne Hautstellen. Schauen Sie gründlich an diesen Bereichen nach:

  • Schnauze und Augenpartie

  • Ohren samt Muschel und Ansatz

  • Hals sowie Brustkorb

  • Achseln und Innenseite der Schenkel

  • Zehenzwischenräume



Sitzt doch ein Parasit fest, gilt: Ruhe bewahren. Je schneller das Ding verschwindet, desto geringer fällt die Keimbelastung aus. Borrelien wandern in der Regel erst nach 24 bis 48 Stunden in den Körper. Verlassen sollte man sich darauf aber nicht.

Greifen Sie zur speziellen Zange oder einer feinen Pinzette. Das Werkzeug wird knapp über der Haut am Kopf der Zecke angesetzt. Zielen, zupacken, ziehen. Drehen muss man gar nicht, weil die Mundwerkzeuge kein Gewinde haben. Wichtig ist vor allem, den vollgesogenen Körper nicht zu quetschen.

Lassen Sie bloß die Finger von Ölen, Klebstoff oder Alkohol. Solches Zeug setzt den Sauger unter Stress, wodurch er womöglich erst recht Speichel und Mageninhalt in die Wunde abgibt. Danach Desinfektionsmittel drauf. Eine kleine Rötung oder Schwellung ist vollkommen normal und verschwindet meist nach ein paar Tagen. Behalten Sie Ihren Hund in den folgenden Wochen trotzdem im Blick: Fieber, Schlappheit oder eine plötzliche Lahmheit gehören in die Praxis.

Durchhalten statt Winterpause

Gerade Tiere aus dem Tierschutz reisen häufig ohne lückenlose Vorsorge im Gepäck an. Da braucht es sofort eine klare Linie. Hunde aus Südeuropa sollten zudem auf die sogenannten Mittelmeerkrankheiten wie Leishmaniose, Ehrlichiose oder Babesiose getestet werden. Manchmal reist außerdem die Braune Hundezecke als blinder Passagier mit. Sie fühlt sich in beheizten Wohnungen wohl und kann sich dort das ganze Jahr über vermehren.

Die bunte Jahreszeit lockt zu herrlichen Abenteuern im Buchenhain. Genießen Sie das. Einen Grund, die Vorsorge zu lockern, liefert der Herbst aber nicht. Weil die Auwaldzecke selbst an milden Wintertagen unterwegs ist, raten Fachleute in vielen Regionen sogar zum Schutz rund ums Jahr. Was für Ihren Hund sinnvoll ist, klärt ein kurzes Gespräch in der Tierarztpraxis.

Streichen Sie beim Abendkraulen einfach systematisch mit den Fingerspitzen durch das dichte Unterfell Ihres Hundes. So spüren Sie festgesaugte Parasiten oft viel schneller auf, als Sie sie im dichten Herbstfell sehen könnten.

Mit KI-Unterstützung erstellt, redaktionell geprüft. Titelbild KI-generiert.



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